Was ist Schnittholz?
Schnittholz ist alles, was im Sägewerk aus dem Rundholz entsteht. Der Stamm wird eingeschnitten, und je nach Querschnitt bekommt das Ergebnis einen anderen Namen. Kantholz ist ab 60 mm Breite bei einer Höhe, die mindestens der Breite entspricht. Eine Bohle hat ab 40 mm Stärke bei mehr als der doppelten Breite. Ein Brett liegt zwischen 8 und 40 mm Stärke bei 80 bis 300 mm Breite. Eine Latte bleibt unter 40 mm Breite und 80 mm Höhe.
Der zweite Unterschied liegt an den Kanten. Besäumtes Schnittholz hat parallel geschnittene Längskanten ohne Baumkante — überall dasselbe Maß. Bei unbesäumtem Material bleibt der natürliche Stammverlauf mit Rinde stehen; die Breite wechselt über die Länge.
Schnittholz kommt in der Regel sägerau und wird frisch, luft- oder technisch getrocknet gehandelt. Es ist Rohware — was daraus wird, entscheidet die Weiterverarbeitung.
Vorteile
- Günstig. Kein Hobeln, kein Trocknen, kein Verkleben — der kürzeste Weg vom Stamm zum Material.
- Jede Holzart. Was der Wald hergibt, lässt sich einschneiden. Nadelholz wie Laubholz, heimisch wie importiert.
- Freie Dimensionen. Der Einschnitt richtet sich nach Bedarf, nicht nach einem Katalog.
- Kein Klebstoff. Reines Vollholz, sortenrein rückbaubar und unproblematisch bei baubiologischen Anforderungen.
- Unbesäumt spart Material und liefert bei Tischplatten oder Verkleidungen eine Optik, die sich mit gehobelter Ware nicht nachbauen lässt.
- Kurzfristig verfügbar, weil Standardware in großen Mengen umgeschlagen wird.
Nachteile
- Das Holz arbeitet nach. Ungetrocknetes Schnittholz schwindet, reißt und verzieht sich im eingebauten Zustand. Wer Maßhaltigkeit braucht, ist hier falsch.
- Grobe Toleranzen. Sägerau heißt sägerau — Maßabweichungen und raue Oberflächen gehören dazu.
- Ohne Festigkeitssortierung nicht rechenbar. Für tragende Bauteile fehlt die Grundlage, solange keine Sortierklasse vorliegt.
- Verschnitt bei unbesäumter Ware. Die Baumkante muss weg, wenn ein gerades Maß gebraucht wird — die nutzbare Ausbeute liegt deutlich unter dem gekauften Volumen.
- Rinde ist ein Risiko. An der Baumkante sitzen Insekten und Feuchtigkeit; im Innenausbau hat sie nichts verloren.
- Nachbearbeitung nötig, wenn glatte Oberflächen oder gefaste Kanten gefordert sind.
Einsatzbereiche
- Schalung, Dach- und Konterlattung
- Unterkonstruktionen und Hilfskonstruktionen auf der Baustelle
- Verpackungs- und Palettenbau
- Zäune, Sichtschutz, einfache Gartenbauten
- Rustikale Verkleidungen und Deckenschalungen
- Unbesäumte Bohlen für Tischplatten, Theken und Möbel mit Baumkante
- Ausgangsmaterial für die eigene Weiterverarbeitung in der Tischlerei
Wo man Schnittholz besser vermeidet
- Tragende Bauteile ohne Sortierung. Sparren, Ständer, Deckenbalken brauchen eine nachgewiesene Festigkeitsklasse — dafür ist KVH das richtige Produkt.
- Sichtbare Bauteile mit Maßanspruch. Wenn Fugenbilder und Kanten stimmen müssen, ist gehobelte und getrocknete Ware die bessere Wahl.
- Beheizte Innenräume mit frischem Holz. Was mit hoher Feuchte eingebaut wird, arbeitet im Winter kräftig nach.
- Bewitterte Konstruktionen mit nicht dauerhaften Holzarten. Fichte im Freien hält ohne Schutz nicht lange.
- Erdkontakt. Ohne geeignete Holzart und passende Konstruktion ist das ein Verfallsdatum, kein Bauteil.