Was ist Brettsperrholz?
Brettsperrholz — kurz BSP, international CLT für cross laminated timber — ist ein flächiger Holzwerkstoff aus kreuzweise miteinander verklebten Brettlagen aus Nadelholz, in der Regel Fichte. Die Lagenzahl ist immer ungerade, mindestens drei.
Der kreuzweise Aufbau ist der ganze Trick. Weil die Fasern jeder Lage rechtwinklig zur nächsten verlaufen, hebt sich das Quellen und Schwinden weitgehend gegenseitig auf, und die Platte trägt in zwei Richtungen statt nur in einer. Aus einem Stab wird eine Scheibe.
BSP wird als großformatige Platte geliefert, in Industrie- oder in Sichtqualität. Die Elemente werden im Werk fertig zugeschnitten — Öffnungen für Fenster, Türen und Installationen sind bereits ausgefräst, wenn sie auf die Baustelle kommen.
Holzmassivbauelemente (HBE)
Unter Holzmassivbauelementen versteht man flächige Massivholzelemente für Wand und Decke. Häufig sind das Brettschichtholz-Elemente: Die Lamellen liegen faserparallel nebeneinander und werden verklebt — also nach demselben Prinzip wie ein Leimbinder, nur eben in die Fläche gebaut statt in den Träger.
Der Unterschied zu Brettsperrholz liegt genau darin. Beim BSP kreuzen sich die Lagen, das Element trägt in beide Richtungen und wirkt gleichzeitig aussteifend. Beim faserparallelen Aufbau läuft alles in eine Richtung: Das Element trägt in der Spannrichtung und bringt dort viel Tragfähigkeit mit, quer dazu aber kaum. Was in der einen Richtung gewonnen wird, fehlt in der anderen.
Für den Anwender heißt das: HBE ist die passende Antwort, wenn eine Decke oder Wand in einer klaren Richtung spannt und die Aussteifung anderweitig gelöst wird. Wo eine Scheibe in zwei Richtungen tragen oder das Gebäude aussteifen soll, führt der Weg zum Brettsperrholz.
Vorteile
- Trägt flächig in zwei Richtungen. Wände, Decken und Dächer werden zu tragenden und gleichzeitig aussteifenden Scheiben.
- Sehr formstabil. Der Sperreffekt begrenzt Quellen und Schwinden erheblich.
- Hoher Vorfertigungsgrad. Was ankommt, wird montiert, nicht gebaut. Rohbauzeiten von wenigen Tagen sind realistisch.
- Kompakte, hohlraumfreie Aufbauten. Kein Gefach, keine Hohlräume — bauphysikalisch einfacher und robuster gegenüber Ausführungsfehlern.
- Leicht im Verhältnis zur Tragfähigkeit. Deshalb ist BSP im Bestand und bei Aufstockungen oft die einzige Möglichkeit.
- Sichtbar einsetzbar. In Sichtqualität ist die Decke gleichzeitig die fertige Oberfläche.
- Einfache Anschlussdetails, wenn Wände und Decken aus demselben System kommen.
- HBE nutzt das Material gezielter, wenn nur in einer Richtung gespannt wird — die Querlagen des BSP tragen dort nicht mit und kosten trotzdem.
Nachteile
- Hoher Preis. Pro Quadratmeter Bauteil das teuerste der gängigen Holzbauprodukte.
- Planung muss vor der Produktion fertig sein. Jede Steckdose sitzt im Werkplan. Wer im Rohbau noch umplant, zahlt doppelt.
- Änderungen am fertigen Element sind schwierig. Eine nachträgliche Öffnung in einer tragenden Scheibe ist ein statischer Eingriff.
- Kran und Zufahrt zwingend. Elementgewichte und -längen setzen der Baustelle Bedingungen.
- Elementgrößen durch den Transport begrenzt, nicht durch die Produktion.
- Lange Vorlaufzeit. Zwischen Freigabe und Lieferung liegen Wochen.
- Klebstoff im Bauteil und entsprechend eingeschränkte Sortenreinheit beim Rückbau.
- Empfindlich in der Bauphase. Ungeschützte Elemente vertragen anhaltende Nässe schlecht, Witterungsschutz gehört ins Konzept.
- Wiederkehrende Prüfpflicht bei großen Spannweiten. Ab 12 m Stützweite oder 6 m Auskragung gilt Schadensfolgeklasse CC2: jährliche Begehung, Inspektion alle 4 bis 5 Jahre, eingehende Überprüfung alle 12 bis 15 Jahre. Geprüft werden unter anderem Verformungen, Risse, Feuchteeintrag und der Zustand der Klebefugen.
- HBE trägt nur in Spannrichtung. Die Aussteifung des Gebäudes muss dann über andere Bauteile kommen, und die Einbaurichtung ist nicht verhandelbar.
Einsatzbereiche
- Tragende und aussteifende Außen- und Innenwände
- Deckenelemente mit großen Spannweiten ohne Unterzug
- Dachscheiben
- Mehrgeschossiger Wohnungs- und Bürobau in Holzbauweise
- Aufstockungen und Nachverdichtung im Bestand, wo Gewicht entscheidet
- Treppenläufe, Aufzugsschächte, Balkonplatten
- Sichtbare Decken und Wände ohne zusätzliche Bekleidung
- HBE als einachsig spannende Decken- und Wandelemente, etwa über Fluren, Räumen mit klarer Spannrichtung oder in Verbindung mit einem aussteifenden Kern
Wo man BSP besser vermeidet
- Kleine, einfache Bauvorhaben. Ein Einfamilienhaus mit klarer Statik ist im Holzrahmenbau meist deutlich günstiger.
- Projekte ohne durchgeplante Ausführung. BSP verzeiht keine Improvisation auf der Baustelle.
- Stabförmige Tragwerke. Für Träger und Stützen ist Brettschichtholz die passende Antwort, nicht die Scheibe.
- Dauerfeuchte Nutzungen. BSP ist für trockene bis zeitweise feuchte Bedingungen ausgelegt, nicht für ständige Nässe.
- Baustellen ohne Kranstellfläche oder mit enger Zufahrt.
- Bauteile, die später oft verändert werden sollen. Flexibilität ist nicht die Stärke des Systems.
- HBE dort, wo zweiachsig getragen oder ausgesteift werden muss. Das ist der Fall für Brettsperrholz.