Was ist KVH?
KVH steht für Konstruktionsvollholz. Es ist kein eigener Baustoff, sondern Nadelholz mit einer vereinbarten Qualität: nach Festigkeit sortiert, technisch getrocknet, mit festgelegten Oberflächen und begrenzten Fehlstellen. Damit wird aus gewachsenem Holz ein Bauteil, mit dem sich rechnen und planen lässt.
Verwendet werden üblicherweise Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie. Die Sortierung nach Tragfähigkeit erfolgt visuell oder maschinell, in Deutschland meist nach DIN 4074-1. Die technische Trocknung geht auf eine Holzfeuchte unter 18 Prozent.
Es gibt zwei Ausführungen: KVH-Si für den sichtbaren Bereich, gefast und gehobelt, mit strengeren Grenzen für Äste, Baumkante, Risse und Verfärbungen. Und KVH-NSi für den nicht sichtbaren Bereich, gefast und egalisiert.
Durch Keilzinkung ist KVH nicht mehr auf die Länge des gewachsenen Stamms beschränkt. Die Vorzugsquerschnitte reichen von 60/100 bis 120/240 mm.
Vorteile
- Maßhaltig und formstabil. Die definierte Trocknung nimmt dem Holz das Arbeiten, bevor es verbaut wird. Was auf der Baustelle ankommt, behält sein Maß.
- Deutlich weniger Rissbildung als bei ungetrocknetem Bauholz. Das Holz trocknet nicht mehr im eingebauten Zustand nach.
- Ohne vorbeugenden chemischen Holzschutz verwendbar, wenn es trocken verbaut wird. Die niedrige Holzfeuchte entzieht Pilzen und Insekten die Lebensgrundlage.
- Berechenbare Festigkeit. Die Sortierklasse ist die Grundlage der statischen Bemessung — anders als bei unsortiertem Kantholz.
- Sofort verarbeitbar. Gefast und gehobelt beziehungsweise egalisiert, kein Nacharbeiten vor dem Einbau.
- Lange Längen ohne Stoß durch Keilzinkung.
- Sichtbar einsetzbar in der Si-Qualität, ohne Verkleidung.
Nachteile
- Höherer Preis als ungetrocknetes Kantholz. Trocknung, Sortierung und Hobelung schlagen sich nieder.
- Begrenzte Querschnitte. Über 120 mm Breite lässt sich nicht mehr zuverlässig durchtrocknen, größere Höhen gibt der Baumquerschnitt nicht her. Bei 120/240 mm ist Schluss.
- Keilzinkstöße bleiben sichtbar. Im Sichtbereich ist das eine Geschmacksfrage, die man vorher klären sollte.
- Nicht witterungsbeständig. Fichte und Tanne haben von Natur aus kaum Dauerhaftigkeit. Ohne konstruktiven Schutz ist KVH im Freien fehl am Platz.
- Verklebte Bauteile. Keilgezinktes KVH enthält Klebstoff. Wer sortenreinen Rückbau oder vollständig leimfreie Konstruktionen anstrebt, muss das mitdenken.
- Sonderquerschnitte und -längen sind seltener am Lager und verlängern die Lieferzeit.
Einsatzbereiche
KVH ist das Standardmaterial für tragende Bauteile im trockenen, geschützten Bereich:
- Dachstuhl: Sparren, Pfetten, Kehl- und Zangenlagen
- Deckenbalken in Wohn- und Bürobauten
- Holzrahmenbau: Ständer, Schwelle, Rähm, das gesamte Stabwerk von Tafelbauelementen
- Innenausbau mit sichtbarer Konstruktion, in der Si-Qualität
- Unterkonstruktionen für Wand- und Deckenbekleidungen
- Überdachte, allseitig geschützte Konstruktionen wie Carports
Wo man KVH besser vermeidet
- Direkte Bewitterung und Erdkontakt. Terrassenunterkonstruktionen, Zaunpfosten, freistehende Pergolen — hier gehört ein dauerhaftes Holz hin oder eines mit entsprechendem Schutz, nicht KVH.
- Nassbereiche und dauerhaft hohe Luftfeuchte. Schwimmbäder, Feuchträume, ungelüftete Kellerbereiche.
- Große Spannweiten und schwere Lasten. Wenn der Querschnitt über 120/240 mm hinaus müsste, ist Balkenschichtholz oder Brettschichtholz das richtige Produkt — dort entsteht der Querschnitt durch Verkleben und nicht durch den Stamm.
- Gebogene oder überhöhte Träger. Formgebung ist mit Vollholz nicht möglich, das kann nur Brettschichtholz.
- Flächige Bauteile. Wo eine tragende Scheibe oder Platte gebraucht wird, führt der Weg zu Brettsperrholz, nicht zum Stabwerk.
- Höchste optische Ansprüche im Sichtbereich. Wenn weder Keilzinkstöße noch Trockenrisse akzeptabel sind, ist herzfrei eingeschnittenes Material oder Brettschichtholz die bessere Wahl.