Was ist Brettschichtholz?
Brettschichtholz — im Handel oft schlicht Leimbinder genannt — entsteht aus festigkeitssortierten Brettlamellen von maximal 45 mm Dicke, die faserparallel zu einem Träger verklebt werden. Der entscheidende Punkt: Der Querschnitt wächst nicht mehr im Wald, sondern entsteht in der Presse. Dadurch sind die Abmessungen praktisch nur noch durch Herstellung und Transport begrenzt.
Weil das Holz vor dem Verkleben in Lamellen zerlegt wird, verteilen sich Äste und Fehlstellen über den ganzen Querschnitt, statt sich an einer Stelle zu summieren. Das macht BSH homogener und belastbarer als gewachsenes Vollholz gleicher Abmessung.
Duo- und Triobalken
Balkenschichtholz ist die kleine Schwester des Brettschichtholzes: zwei oder drei Bohlen beziehungsweise Kanthölzer werden miteinander verklebt — daher Duo und Trio. Es kommt überall dort zum Einsatz, wo größere Formstabilität oder größere Querschnitte gefragt sind, als sie mit KVH möglich wären, ohne dass gleich ein vollwertiger BSH-Träger nötig ist. Typisch sind Deckenbalken.
Vorteile
- Querschnitt und Länge frei wählbar. Der Stamm ist nicht mehr die Grenze — es geht so weit, wie sich der Träger noch transportieren lässt.
- Sehr hohe Tragfähigkeit bei geringem Gewicht. Für weit gespannte Dächer gibt es kaum ein günstigeres Verhältnis.
- Formstabil. Die Lamellen werden getrocknet verklebt; das fertige Bauteil arbeitet kaum noch.
- Gebogene und überhöhte Formen möglich. Satteldachträger, Bögen, veränderliche Höhen — das kann kein Vollholz.
- Homogener als Vollholz, weil Fehlstellen über den Querschnitt verteilt sind.
- Berechenbares Brandverhalten. Große Holzquerschnitte brennen langsam und gleichmäßig ab; die Resttragfähigkeit lässt sich rechnerisch ansetzen.
- Sichtqualitäten verfügbar — BSH wird oft bewusst gezeigt und nicht verkleidet.
- Geringeres Risiko für Insektenbefall als bei Vollholz. Die Lamellen sind technisch auf 12 bis 15 % Holzfeuchte getrocknet und sortiert, befallsanfällige Bereiche werden schon in der Herstellung entfernt. Kommt es doch zu einem Befall, bremsen Klebefugen und der homogenisierte Querschnitt die Ausbreitung — bei Vollholz kann sich ein Schaden dagegen ungehindert entlang der Splintholzzone durch das ganze Bauteil ziehen.
Nachteile
- Deutlich teurer als Vollholz. Sortieren, Trocknen, Hobeln, Verkleben und Pressen kosten.
- Klebstoff im Bauteil. Für sortenreinen Rückbau und strenge baubiologische Anforderungen ein Thema.
- Lieferzeit. Sonderquerschnitte und gebogene Träger werden gefertigt, nicht aus dem Lager geholt.
- Transport und Montage. Große Träger brauchen Sondertransport, Kran und ausreichend Platz auf der Baustelle.
- Keine Änderungen im Nachhinein. Was einmal gepresst ist, lässt sich nicht mehr verlängern oder umformen.
- Klebefugen mögen keine Dauerfeuchte. Die Verklebung muss zur Nutzungsklasse passen; falsch eingesetzt wird die Fuge zur Schwachstelle.
- Querzug ist die empfindliche Stelle. An Auflagern, Ausklinkungen, Durchbrüchen, Anschlussdetails und bei gekrümmten Bauteilen entstehen Zugspannungen quer zur Faser. Weil Holz genau dort seine geringste Festigkeit hat, drohen Rissbildung und sprödes Versagen — Schwinden und Quellen legen sich zusätzlich darauf.
- Wiederkehrende Prüfpflicht. Wer weit spannt, holt sich eine dauerhafte Aufgabe ins Haus. Dazu unten mehr.
Was nach dem Bau auf dich zukommt
Das wird bei der Planung gern übersehen: Der Eigentümer ist gesetzlich verpflichtet, die Standsicherheit über die gesamte Lebensdauer sicherzustellen. Bei weitgespannten Tragwerken ist das keine Formsache.
Gebäude mit Stützweiten über 12 m oder Auskragungen über 6 m fallen in die Schadensfolgeklasse CC2 — Sporthallen, Produktionshallen, Einkaufsmärkte, Reithallen. Empfohlen wird dafür ein dreistufiges Vorgehen:
- Begehung jährlich — Sichtkontrolle durch den Eigentümer selbst
- Inspektion alle 4 bis 5 Jahre — handnahe Untersuchung durch eine fachkundige Person
- Eingehende Überprüfung alle 12 bis 15 Jahre — durch eine besonders fachkundige Person, bei Bedarf mit Materialuntersuchungen
Geachtet wird dabei vor allem auf Verformungen und Schiefstellungen, Risse, Feuchteeintrag durch undichte Dächer oder verstopfte Entwässerung, Schädlingsbefall und den Zustand der Klebefugen. Besonders im Blick: Hallen mit Feuchteeintrag oder Wechselklima — Reithallen mit genässtem Boden, Eishallen, Kompostieranlagen.
Ein Bauwerksbuch, in dem Konstruktionszeichnungen, Materialgüten, Klebstofftyp, Lastannahmen und alle späteren Änderungen festgehalten sind, macht jede dieser Prüfungen einfacher und billiger. Es anzulegen kostet beim Neubau fast nichts — es später zu rekonstruieren ist teuer.
Bei Bestandsbauten: der Klebstoff
Bis 2006 wurden für tragende Holzbauteile auch Harnstoffharzklebstoffe verwendet. Sie wurden dann aus Vorsorgegründen bauaufsichtlich ausgeschlossen, weil ihr Anwendungsbereich klimatisch begrenzt ist. Das heißt nicht, dass jede ältere Halle ein Problem hat — bei ordentlich hergestellten dünnen Klebefugen und ohne erhöhte Feuchtebeanspruchung besteht in der Regel keine Gefährdung. Bei der ersten Überprüfung einer geklebten Konstruktion sollte der Klebstofftyp aber im Labor bestimmt werden; rein visuell ist das nicht zuverlässig möglich.
Bei schwingenden Lasten: Ermüdung
Wiederholte Belastungen können Mikroschäden erzeugen, die über die Jahre anwachsen. Dann reicht die statische Bemessung nicht mehr, es ist zusätzlich ein Ermüdungsnachweis zu führen. In der Praxis betrifft das vor allem Straßenbrücken aus Holz und Glockenstühle, daneben Decken unter Maschinen mit Unwucht und Konstruktionen unter Kranbahnen. Für den normalen Hallenbau ist das kein Thema — aber wenn eine der genannten Belastungen dazukommt, gehört es früh in die Planung.
Einsatzbereiche
- Hallenbau: weit gespannte Dachträger ohne Zwischenstützen
- Unterzüge und Überzüge, wo Vollholz nicht mehr reicht
- Stützen im Skelett- und Rahmenbau
- Sichtbare Tragwerke in Hallen, Sporthallen, Schulen und Kirchen
- Deckenbalken mit erhöhter Formstabilität — hier meist als Duo- oder Triobalken
- Auswechslungen und Ringanker im Holzrahmenbau
- Brücken und Freianlagen, mit auf die Nutzungsklasse abgestimmter Verklebung
Wo man BSH besser vermeidet
- Standardquerschnitte im Dachstuhl. Was KVH kann, sollte KVH machen — BSH ist dort schlicht zu teuer.
- Dauerfeuchte Bereiche ohne passende Verklebung. Die Klebefuge ist der empfindlichste Punkt des Bauteils.
- Flächige Bauteile. Wo eine tragende Wand- oder Deckenscheibe gebraucht wird, ist Brettsperrholz das richtige Produkt.
- Baustellen ohne Kranzufahrt. Ein 14-Meter-Träger, der nicht ans Ziel kommt, nützt niemandem.
- Projekte mit unfertiger Planung. Nachträgliche Maßänderungen sind bei gefertigten Trägern teuer.
- Kurzfristiger Bedarf. Sonderabmessungen brauchen Vorlauf.